Letztes Wochenende habe ich mir endlich einmal die Zeit gegönnt, um das letzte Remake von Sid Meier’s rundenbasierten Strategie-Klassiker Civilization IV zu testen. Das Fazit gleich vorweg: Ich war enttäuscht wie man ein derart gutes Spiel-Konzept mittels einer (meiner Meinung nach) unnötigen 3D-Engine so ausbremsen kann.
Civilization bestach schon seit der nunmehr 15 Jahre alten Erst-Veröffentlichung durch ein beinahe geniales Aufbau-Strategie-Konzept. Trotz teils minimalistischer Grafik die zu keiner Zeit state of the art war, bargen die bisherigen Versionen von Civilization und das Spin-off Colonization stets ein enormes Suchtpotential. Weder die inzwischen sicher überholte Rundenbasiertheit noch die lieblose Grafik konnten den wahren Civ-Fan abschrecken. Stattdessen punktete Civilization stets mit einer Vielzahl von Einheiten, Technologien, Gebäuden und Weltwundern die im Laufe der Zeit erforscht oder errichtet werden können. Diese wurden logisch perfekt in das Gesamt-Konzept integriert und führen zu der faszinierenden Komplexität der Civ-Reihe.
Nach der Installation von Civilization IV habe ich mich übermütigerweise für ein Spiel auf eine “riesigen” Weltkarte entschieden. Diese aufgrund meines 2 GHz Rechner mit 512 MB RAM wirklich anmaßende Entscheidung wurde umgehend mit einer 10-minütigen Wartezeit für das Starten der Spiel-Oberfläche bestraft. Aber das erträgt der geneigte Civ-Liebhaber gern in freudiger Erwartung der neuen Features. Bald nach Spielbeginn musste ich dann enttäuscht feststellen, dass auch das Scrollen auf der Karte, die Einheitenbewegungen, Wunder-Filmchen und Rundenwechsel erhebliche Zeit in anspruch nahmen und schlichtweg zur Unspielbarkeit führten.
2. Versuch: Grafikdetails auf “niedrig” geschraubt, Kartengröße “normal” und etwas RAM aufgeräumt – “Du hast ja nicht mehr den neusten Rechner”. Auch die mäßigung meiner Ansprüche führte zu keiner deutlichen Verbesserung. Spätestens nach einigen Runden lief alles wieder wie gehabt, also gar nicht. Genugtuung (aber auch zusätzliche Wut) schafft da nur die Tatsache, dass Gamer mit scheinbaren Spiele-PCs (3 Ghz, 2 GB RAM) auch spätestens bei großen Karten oder langen Spielen ausgebremst werden. Ich verstehe nicht wirklich warum man geniale Spiele wie Empire Earth oder eben Civ IV durch übermächtige 3D-Engines, die letztlich noch nicht mal wirklich gut aussehen so kaputt machen muss.
Dennoch: Auch wenn die miese Performance auf Standard-PCs es kaum ans Licht treten lässt, das Konzept Civilization wurde weiter sinnvoll ergänzt und ist gereift. Die fesselnden Features wie Technologien, Rohstoffe, Stadterweiterungen und Weltwunder wurden beibehalten und ausgebaut, interessante neue Elemente wie berühmte Persönlichkeiten, Herrscher-Boni und die Weltreligionen vervollständigen das Civ-Prinzip zunehmend. Also werde ich mir wohl noch dieses Jahr einen vernünftigen Gaming-Rechner zulegen müssen um das neue Civilization in voller Pracht genießen zu können.
Einen ausfühlichen Test von Civilization IV findet man auch bei golem.
[...] Mir persönlich gefällt übrigens der Türkische Marsch von Wolfgang Amadeus Mozart am besten, der mir seitdem er als Erkennungsmelodie für die deutsche Nation in Sid Meier’s Civilization diente nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. Pünktlich zum 250. Jubiläum ist auch eine Special Edition von Mozarts Werken auf 2. DVDs erhältlich. [...]
Civilization IV ist echt gut gelungen. Schade, dass sie beim 5ten Teil so vieles kaputt machen mussten.