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Der FOCUS und die Kaupthing Bank

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Im Urlaub bleibt einem ja spätestens nachdem der SPIEGEL und die WiWo allegelesen sind oft nichts anderes übrig, als früher oder später doch zum kostenlosen FOCUS aus dem AirBerlin-Kiosk vom Hinflug zu greifen. Wie die echten Nachrichtenmagazine auch, widmete sich der FOCUS in der Ausgabe vom 13.10.2008 der Finanzkrise und titelte “Ist Ihr Geld wirklich sicher?”.

In den gewohnt leichtverdaulichen kleinen Häppchen behandelt der FOCUS auf Seite 35 z.B. das Problem “Ich habe Geld bei der Kaupthing Bank, komme aber nicht an mein Konto...”. Dort stellt man fest:

“Auch Kunden aus Deutschland können nicht mehr auf ihre Konten zugreifen“. Ob Kunden insbesondere in Anbetracht der Zwangsverstaatlichung der Bank und eines drohenden Staatsbankrotts Islands ihre Einlagen bei der Kapthing Edge, die sich im zwangsverordneten Moratorium (Auszahlungssperre) befindet, zu 100% zurückerhalten sei fraglich.

Bis dahin die übliche Berichterstattung für Focus-Leser verständlich übersetzt. Jene als besonders kritisch bekannte Zeitgenossen werden sich jedoch sicher wundern, dass auf Seite 57 eine ganzseitige Anzeige fuer Tagesgeld bei der Kaupthing Edge mit sagenhaften 5,65% Zinsen wirbt. Aus dem Text der Anzeige:

“Zinsen auf hohem Niveau. Vertrauen auf lange Sicht.”

und

“Durch die Online-Kontoführung ist für Sie der Kontozugriff rund um die Uhr komfortabel, sicher und gebührenfrei.”

Was genau mit dem Kontozugriff gemeint ist kann man sich anscheindend unter dem Punkt “Wichtige Mitteilung zu Ihren Konten” auf der Kaupthing-Homepage anschauen. Über die Ironie der Anzeige werden wohl nur NICHT-Kaupthing-Gläubiger lächeln können. Sollte sowas einem ChefRed auffallen? Kann eine Bank im Moratorium noch ihr Werbebudget aufrecht erhalten oder deren Mediaagentur daran glauben? Sollte eine Zeitschrift – ganz gleich ob die Kampagne bezahlt ist – in solch einer Situation einer nachweislich falsche Anzeige noch übernehmen.

Lustigerweise hatte ausgerechnet Uli Dönch vom FOCUS das ganze doch schon vor einem halben Jahr orakelt: Dönchs Finanzen